HCMC und der Krieg

Alles grün und sauber!
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Wiedervereinigungspalast.
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Schaltzentrale.
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Spielzimmer.
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Baguette (noch aus französischer Besatzungszeiten) mit Fleischpastete (don't ask!), Saure Gurken, Kräuter, ...
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Neuer Schick.
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BBQ, lecker.
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Analoge Restaurant-Bewertungen gleich vor Ort.
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Pho mit frischen Kräutern, Sprossen, Limetten und Chilli: beste Reisnudelsuppe in Asien.
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Beim Herrenfrisör!
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Eine schöne Stadt. Mit viel Geschichte, entsprechend großem Kriegsopfermuseum, skurrilem Wiedervereinigungspalast von 1966, netter Oper und viel Aufschwung, jungen Leuten die im Park ihr Englisch an Touris verbessern wollen und ungemein leckeren kleinen Küchen in noch so engen Winkeln. Ho Chi Minh City wird flüchtig HCMC geschrieben, gesprochen wird von Sai Gon, gesprungen wird noch immer zwischen Geschichte und Gegenwart. Während der Begehung des Tunnelsystems der Untergrundkämpfer im Dschungel außerhalb der Stadt hört man ein paar Meter weiter hirnverbrannte Touris mit Kalaschnikows durch die Gegend ballern.
So erzählen die Vietnamesen von ihrer Geschichte und verkaufen sie zugleich.

Eine Wikipedia-Kurzzusammenfassung:

Der Vietnamkrieg wurde von etwa 1955 bis 1975 in und um Vietnam geführt. Weil er an den Indochinakrieg (1946–1954) anschloss und sich auf ganz Indochina erstreckte, wird er auch Zweiter Indochinakrieg genannt. Wegen der direkt und indirekt beteiligten Supermächte gilt er als Stellvertreterkrieg im Kontext des Kalten Krieges.
Er begann nach Vietnams Teilung (1954) als Bürgerkrieg in Südvietnam (1955–1964). Dabei wollten die Viet Minh, aus denen 1960 die Nationale Front für die Befreiung Südvietnams (englisch National Liberation Front, abgekürzt NLF; „Vietcong“) hervorging, die antikommunistische Regierung Südvietnams stürzen und das Land wiedervereinigen. Das kommunistisch regierte Nordvietnam unterstützte die NLF, die USA unterstützten Südvietnam militärisch. Ab Februar 1965 ließ US-Präsident Lyndon B. Johnson Nordvietnam bombardieren und entsandte ab März immer mehr US-Bodentruppen nach Südvietnam, die dort die NLF bekämpften. Seitdem unterstützten die Sowjetunion (SU) und die Volksrepublik China (VRC) Nordvietnam, sechs Staaten die USA und Südvietnam militärisch. Ab 1964 griffen die Kämpfe auf Laos, ab 1970 auf Kambodscha über.

Eskalation mit den USA

Der seit Januar 1961 amtierende US-Präsident John F. Kennedy stellte mit seiner antikommunistischen Rollback-Politik die Weichen zur Eskalation des Vietnamkriegs. Entscheidend wurde ein Bericht seiner Berater Walt Rostow und Maxwell Taylor über ihren Vietnambesuch Anfang 1961: Die USA müssten sich unumkehrbar zum Erhalt Südvietnams verpflichten und dazu die Counterinsurgency-Strategie verstärken. Infolge der Kubakrise sollte die neue Strategie der Flexible Response den Handlungsspielraum der USA gegenüber kommunistischen Staaten und Aufstandsbewegungen erweitern, ohne einen Atomkrieg zu riskieren. Darum ordnete Kennedy einige verdeckte Militäroperationen gegen Nordvietnam an und erhöhte die Zahl der US-Militärberater in Südvietnam bis 1962 von 400 auf 16.575. 1962 flog die US-Air Force bereits 50.000 Luftangriffe gegen vietnamesische Dörfer, die als Vietcong-Dörfer galten, und setzte dabei auch Napalm ein.

Nach dem tödlichen Attentat auf John F. Kennedy (22. November 1963) rückte Johnson in das Präsidentenamt auf. Er hatte die Containmentpolitik seiner Vorgänger stets unterstützt. Am 26. November bestätigte er ein für Kennedy verfasstes Memorandum, das Südvietnam fortgesetzte Hilfe gegen jede kommunistische Aggression versprach. Er werde nicht zulassen, dass „Vietnam den gleichen Weg nimmt wie China“, sondern dafür sorgen, dass Südvietnams Generäle „die Kommunisten das Fürchten lehren“.

Am 1. August 1964 lief das US-Kriegsschiff USS Maddox in den Golf von Tonkin ein, um die Vietnamesische Volksarmee (PAVN) elektronisch auszuforschen. Aus ungeklärten Gründen entsandte Nordvietnams Küstenwache am 2. August drei Schnellboote zur Maddox. Diese fürchtete einen Torpedoangriff, eröffnete das Feuer, versenkte eins der Boote, beschädigte die übrigen und meldete diesen „Tonkin-Zwischenfall“ der US-Regierung. Am 4. August meldete die USS Turner Joy (DD-951) während eines Gewitters irrtümlich weitere Torpedoangriffe, zog die Meldung aber zurück. Die NSA legte Johnson nur jene 10 % des für den Zwischenfall relevanten Funkverkehrs vor, die einen Angriff nahelegten. Johnson ordnete am selben Abend erste Luftschläge auf Hanoi an und begründete diese im US-Fernsehen als Vergeltung für „wiederholte unprovozierte Gewaltakte“. Die Beteiligung der US-Kriegsschiffe an Sabotageaktionen wurde dem Kongress verheimlicht. Staatssekretär George Ball gab später zu, dass sie in den Golf von Tonkin entsandt worden waren, um einen Kriegsgrund zu provozieren. Die sofortigen Vergeltungsschläge waren seit Monaten vorbereitet gewesen.

Mit den gezielten und angedrohten weiteren US-Luftschlägen erprobte die US-Regierung, wie sich 1970 herausstellte, ein um 1960 entwickeltes Konzept der „Nötigungsdiplomatie“, das koordinierte Gewalt und Verhandlungsangebote kombinierte. Bewirkt wurde das Gegenteil: Die Regierung in Hanoi rechnete nicht mehr mit dem Rückzug der USA nach dem Zusammenbruch des Regimes in Südvietnam, sondern mit einer Invasion der USA in ganz Vietnam und stellte sich darauf ein, US-Truppen auch im Süden direkt zu bekämpfen. Ab September 1964 entsandte sie daher bewaffnete Kampftruppen über den Ho-Chi-Minh-Pfad nach Südvietnam und ließ diesen dafür weiter ausbauen.

Agent Orange

Seit 1959 wurden diese Mittel in Südvietnam getestet. Aufgrund der Erfolgsberichte darüber machte US-Präsident Kennedy diese Stoffe 1961 zum zentralen Bestandteil einer flexiblen, innovativen Counterinsurgency-Strategie und ordnete ihren Einsatz in Vietnam persönlich an. Dabei nutzte die US-Regierung eine Lücke im Genfer Protokoll von 1925 aus, das Krieg mit Chemiewaffen nur gegen Menschen, aber nicht gegen Pflanzen verbot.

Im Januar 1962 begann die Operation Ranch Hand („Farmgehilfe“): Dabei versprühten die US-Air Force und die ARVN in Vietnam und den Grenzgebieten von Laos und Kambodscha systematisch solche dioxinhaltigen Herbizide. Diese entlaubten den Dschungel, um Straßen, Wasserwege und Grenzgebiete zu entblößen, Ernten zu vernichten und so den NLF-Kämpfern Schutz, Hinterhalte, Nahrung und sozialen Rückhalt zu entziehen. Unter Johnson wurde daraus ab 1965 das historisch größte Programm chemischer Kriegführung: Dabei versprühten die USA bis 1971 etwa 20 Mio. Gallonen (80 Mio. Liter) der mit Dioxin verunreinigten Herbizide. 1971 wurde der Einsatz dieser Mittel gestoppt.

2002 litten nach Schätzungen des Roten Kreuzes etwa eine Million Vietnamesen an gesundheitlichen Schäden durch Spätfolgen von Agent Orange, darunter sind etwa 100.000 Kinder mit angeborenen Fehlbildungen. Während geschädigte ehemalige US-Soldaten nach gerichtlichen Auseinandersetzungen von den damaligen Herstellerfirmen finanziell entschädigt wurden, erhielten vietnamesische Opfer bis heute keine Entschädigung. Eine entsprechende Sammelklage in den USA wurde 2005 abgewiesen, da der Einsatz von Agent Orange „keine chemische Kriegsführung“ und deshalb kein Verstoß gegen internationales Recht gewesen sei.